Stand: 15. März 2026

Was wir nicht behandeln,
zahlen wir trotzdem.

Psychische Erkrankungen kosten jährlich Milliarden. Trotzdem sind sie kaum Gegenstand ernsthafter politischer Debatten. Dieses Dashboard liefert Daten, um dies zu ändern.

Gesamtkosten / Jahr
0
Milliarden Euro
Gesamtschaden pro Jahr · direkt + indirekt
147 Mrd. € 4,8% BIP
Behandlungskosten, Sozialleistungen, Produktivitätsverluste. Deutschland liegt damit über dem EU-Schnitt von 4,1%.
Der Anteil am BIP macht die Zahl greifbar: Fast jeder 20. Euro der deutschen Wirtschaftsleistung geht verloren.
Das entspricht dem gesamten Bildungsbudget aller Bundesländer für ein volles Jahr — oder dem Bundeshaushalt für Bildung und Forschung für mehr als sieben Jahre.
Betroffene Erwachsene / Jahr
18 Mio.
Fast jede:r dritte Erwachsene leidet an psychischen Problemen: ~28% der über 18-Jährigen.
Würden diese Menschen eine eigene Stadt gründen, wäre es die größte Stadt der EU.
Quelle: DGPPN 2025
Betroffene Kinder & Jugendliche / Jahr
2,6 Mio.
Mindestens 20% aller Kinder und Jugendlichen leiden an psychischen Problemen.
Das entspricht den Schüler:innen aller Grundschulen in Bayern und Baden-Württemberg zusammen.
Quelle: DGPPN 2025
Verlust an Bruttowertschöpfung
35,4 Mrd. €
Volkswirtschaftlicher Schaden durch psychisch bedingte Arbeitsausfälle (2023).
So viel, wie wenn die gesamte deutsche Pharmaindustrie drei Monate lang nichts produzieren würde.
Quelle: BAuA 2023
Direkte Behandlungskosten
56,4 Mrd. €
Direkte Kosten im Gesundheitssystem — seit 2015 um +32% gestiegen.
Das entspricht in etwa dem Gesamtbudget aller deutschen Hochschulen für Forschung, Lehre und Betrieb.
Anteil aller Fehltage 2024
17,4%
Aller Arbeitsunfähigkeitstage haben psychische Ursachen — historischer Höchstwert, seit 2019 um +50% gestiegen.
Jede sechste Krankschreibung in Deutschland hat einen psychischen Grund.
Durchschnittliche Ausfallzeit
33 Tage
Durchschnittliche Dauer einer psychisch bedingten Krankschreibung — mehr als doppelt so lang wie der Gesamtschnitt.
Das sind mehr als anderthalb Arbeitsmonate bei Vollzeit.
Zum Vergleich

Deutschland nimmt jährlich rund 330 Milliarden Euro an Lohn- und Einkommensteuer ein. Die volkswirtschaftlichen Kosten psychischer Erkrankungen entsprechen fast der Hälfte davon — und werden trotzdem kaum diskutiert.

~6 Monate
Durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz
Das ist, als würde jemand mit Beinbruch ein halbes Jahr auf einen Orthopädie-Termin warten.
40%
der Patient:innen warten 3–9 Monate auf Behandlungsbeginn
Jede zweite erkrankte Person erhält nicht rechtzeitig Hilfe. In der Zwischenzeit verschlimmert sich die Erkrankung oft.
+50%
mehr psychisch bedingte Fehltage seit 2019
Das System kommt nicht nach. Die Lücke zwischen Bedarf und Angebot wächst.
Wie sieht ein Jahr mit psychischer Erkrankung aus? · Jeder Kreis = 1 Monat
Land
Stadt
Worst case
Quellen: BPtK · HelloBetter / rbb24
Wartezeit — krank, unbehandelt
Behandlung läuft
Restliches Jahr
Was das im Alltag bedeutet

Wer heute zum Arzt geht und eine Psychotherapie braucht, wartet meist ein halbes Jahr auf einen Platz. Wer auf dem Land lebt, wartet fast viermal länger auf einen Therapieplatz als in der Stadt. In der Zwischenzeit kann sich eine Erkrankung festigen — und wird dann teurer und schwerer zu behandeln.

Die Wirtschaftlichkeit von Psychotherapie
1 € investiert.
3,26 € zurück.
Im ersten Jahr.
Eine Psychotherapie kostet im Schnitt 3.200 €. Die dadurch eingesparten gesellschaftlichen Kosten — durch Rückkehr zur Arbeitsfähigkeit, weniger Krankengeldzahlungen, geringere Folgekosten — betragen 10.425 € innerhalb eines Jahres nach Behandlungsabschluss.
Kumulierter ROI pro behandelter Person
Return on Investment (ROI) von Psychotherapie
Der Schieberegler rechnet mit realistischen Rückfallquoten — im zweiten Jahr halten ~70% der Behandelten ihren Therapieeffekt, danach graduell abnehmend. Eine konservative, evidenzbasierte Schätzung.
1 Jahr5 Jahre10 Jahre
ROI: 3,3×
Rendite über 1 Jahr (mit Rückfallrate)
Investition
3.200 €
Einsparung
≈ 10.425 €
Ergebnis nach 1 Jahr
Aus 3.200 € Investition werden 10.425 € kumulierte Einsparung über 1 Jahr. Nettogewinn: 7.225 €.
Rückfallrate eingerechnet: Jahr 1 = 100% Effekt · Jahr 2–3 = 70% · Jahr 4–5 = 55% · Jahr 6–10 = 40%
Modellbasis: Das Modell vergleicht nicht eine therapierte mit einer nie erkrankten Person. Es vergleicht einen typischen Verlauf nach Therapie mit einem typischen Verlauf ohne Behandlung, bei dem Chronifizierung, Krankentage und Folgekosten weiter anfallen würden.

In 86% aller publizierten Studien übersteigen die Einsparungen durch Psychotherapie die Behandlungskosten. In 95% zeigt sich eine signifikante Kostenreduktion gegenüber Nicht-Behandlung.

Einfach gesagt

Für jeden Euro, den die Krankenkasse in Psychotherapie investiert, fließen über 3 Euro zurück in die Volkswirtschaft — durch weniger Arbeitsausfall, weniger gezahltes Krankengeld und mehr Menschen, die wieder produktiv arbeiten. Betrachtet man die Gesellschaft als Ganzes und nicht nur die Krankenkassen als einzelnen Topf, ist Psychotherapie keine Sozialausgabe, sondern eine volkswirtschaftliche Investition, die sich rechnet.

Simulation
Was, wenn mehr Betroffene Behandlung bekämen?

Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland bräuchten Psychotherapie, erhalten sie aber nicht. Was wäre, wenn das anders wäre?

0%50%100%
Status quo (12%)
12%
der Betroffenen erhalten Behandlung
0
Mrd. € Netto-Einsparung / Jahr
0
Menschen wieder arbeitsfähig
0
Mio. Fehltage eingespart

Rechengrundlage: 8 Mio. unversorgte Personen · Therapiekosten 3.200 € · Gesellschaftliche Einsparung 10.425 € · Netto: 7.225 €/Person · 60% der Behandelten wieder vollständig arbeitsfähig · 33 Fehltage je Person eingespart. Vereinfachte Modellrechnung zur Illustration.

Prävention und Versorgung
Risikofaktoren und Lösungsansätze

Behandlung wirkt und rechnet sich. Und doch erreicht sie nur einen Bruchteil der Betroffenen — während die Arbeitsbedingungen, die Menschen krank machen, weiter verschärft werden.

Was krank macht
Arbeitsverdichtung & Dauererreichbarkeit. 45% der Berufstätigen berichten direkten negativen Einfluss von Arbeitsstress auf ihre Psyche. AXA Mental Health Report 2025 ↗
Digitale Fragmentierung. Beschäftigte wechseln bis zu 150-mal täglich den Fokus. Dauerunterbrechung erzeugt strukturelle Erschöpfung. Norvio 2025 ↗
Kollektive Dauerkrisen. Pandemie, Krieg, Inflation, Klimaangst — das Nervensystem bleibt in Daueralarm. Besonders junge Menschen betroffen.
Systembedingte Verknappung von Therapieplätzen. Qualifizierte Therapeut:innen sind vorhanden — aber die Kassensitze werden nach einer Bedarfsplanung vergeben, die auf Daten von 1999 basiert. PtK Berlin ↗
Was schützt
Frühe Behandlung ist radikal günstiger. Eine ambulante Therapiesitzung kostet ~120 €. Ein stationärer Akuttag kostet 600–900 €. Jeder Monat Wartezeit erhöht das Chronifizierungsrisiko — und damit das Zehnfache der Kosten. BPtK ↗
Frühe Behandlung wirkt: 86% der Studien zeigen Netto-Einsparung durch Psychotherapie. ROI bis 3,26. BPtK / TK ↗
Betriebliche Prävention: Jeder investierte Dollar bringt 2–10 Dollar zurück. Hans-Böckler-Stiftung ↗
Kürzere Arbeitszeit — Evidenz aus der Praxis
4-Tage-Woche (UK-Pilot 2022): 71% geringeres Burnout, 39% weniger Stress, Umsatz +1,4%. 92% wollen dauerhaft so weiterarbeiten. Rosa-Luxemburg-Stiftung 2023 ↗
Island, 6 Jahre Praxis: 60% berichten bessere Gesundheit, Wirtschaftswachstum 5% (2023), Arbeitslosigkeit unter EU-Schnitt. Autonomy Institute / Alda ↗
Kurz gesagt

Es wäre günstiger, Menschen früh zu behandeln als sie lange krank zu lassen. Noch günstiger wäre es, die Bedingungen zu verändern, die sie krank machen.

Volkswirtschaftliche Kosten
Gesellschaftliche Kosten im Vergleich
In Deutschland wird intensiv über die gesellschaftlichen Kosten von Migration, Grundsicherung und Bürokratie gestritten. All das sind echte Zahlen. Aber keine dieser Debatten dreht sich um den größten Posten für die deutsche Volkswirtschaft: psychische Erkrankungen.
Wachstumsbremsen
Psychische Erkrankungen
147 Mrd. €
Direkte + indirekte Kosten: Behandlung, Produktivitätsverlust, Frühverrentung, Sozialleistungen. 4,8% des BIP. Einzige Kategorie mit nachgewiesenem positivem ROI (3,26×) bei Investition in Lösung. Kaum Gegenstand politischer Debatte.
147 Mrd.
Bürokratie-Last
146 Mrd. €
Entgangene Wirtschaftsleistung durch überbordende Bürokratie. Fast identisch hoch wie psychische Erkrankungen — aber erhält deutlich mehr politische Aufmerksamkeit und Reformdruck.
146 Mrd.
Digitalisierungsrückstand
96 Mrd. €
Entgangene Wirtschaftsleistung wenn Deutschland bei Verwaltungsdigitalisierung auf dänisches Niveau aufschlösse. Potenziell lösbar mit politischem Willen.
96 Mrd.
Fachkräftemangel
49 Mrd. €
Produktionspotenzial das 2024 wegen 573.000 unbesetzter Stellen verloren ging. Steigt bis 2027 auf ~74 Mrd. Erhält intensive politische und mediale Aufmerksamkeit — aber kostet 3× weniger als psychische Erkrankungen.
49 Mrd.
Haushaltsausgaben
Bundeszuschuss Rente
127,8 Mrd. €
Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung 2026 — der größte Einzelposten im Bundeshaushalt. Entspricht einem Drittel aller Steuereinnahmen und liegt knapp unter den Kosten psychischer Erkrankungen.
127,8 Mrd.
Verteidigungshaushalt
108 Mrd. €
Verteidigungshaushalt 2026 inkl. Sondervermögen. Erhält breite politische und gesellschaftliche Unterstützung — und liegt trotzdem unter den volkswirtschaftlichen Kosten psychischer Erkrankungen.
108 Mrd.
47 Mrd. €
Gesamtkosten inkl. Unterkunft & Heizung 2024. Politisch hochaufgeladen — aber: ≥ 1/3 der Empfänger ist psychisch erkrankt, 80% könnten bei Behandlung arbeiten. Sanktionen lösen das Problem nicht. Behandlung schon.
47 Mrd.
Migration & Asyl
28 Mrd. €
Ausgaben des Bundes für Flucht und Migration 2024 — inkl. ~8 Mrd. für Bekämpfung von Fluchtursachen im Ausland. Intensivstes Talkshow-Thema Deutschlands. Kostet weniger als ein Fünftel der Kosten psychischer Erkrankungen.
28 Mrd.
Die Diskrepanz

Migration und Bürgergeld dominieren die politische Debatte — und kosten zusammen 75 Mrd. €. Der Verteidigungshaushalt kostet 108 Mrd. €. Psychische Erkrankungen werden kaum debattiert — und kosten 147 Mrd. €. Mehr als Verteidigung, Migration und Bürgergeld zusammen.

Die Zahl, die niemand kennt
5,2 ×
Migrationskosten
Psychische Erkrankungen kosten mehr als das Fünffache der Migrationskosten — aber Migration dominiert die politische Debatte und den Stammtisch.
Der einzige positive ROI
3,26 ×
Return on Investment
Psychische Gesundheit ist die einzige Kategorie in dieser Liste, bei der Investition in die Lösung nachweislich mehr zurückbringt als sie kostet — 3,26 € pro investiertem Euro im ersten Jahr.
Der Teufelskreis
Fachkräftemangel + Burnout
Fachkräftemangel und psychische Erkrankungen verstärken sich gegenseitig: Überlastung treibt Burnout — Burnout verkleinert das Arbeitskräfteangebot — Fachkräftemangel wächst.
Bürgergeld neu gedacht
4,5 Mrd.
Einmalinvestition
So viel würde es kosten, alle behandelbaren psychisch erkrankten Bürgergeld-Empfänger in Therapie zu bringen. Die jährliche Einsparung wäre ein Vielfaches davon.

Methodischer Hinweis: Die Vergleiche verwenden unterschiedliche Berechnungsmethoden und sind nicht direkt addierbar. Alle Zahlen beziehen sich auf jährliche volkswirtschaftliche Kosten bzw. entgangene Wirtschaftsleistung für Deutschland. Energiekostenschätzung ist Näherungswert auf Basis von BDI/BMWK-Berechnungen zum industriellen Mehraufwand.

Grundsicherung
Wer nicht behandelt wird, bleibt im System.

Die politische Debatte dreht sich um Sanktionen, Mitwirkungspflichten und Missbrauch. Was dabei selten besprochen wird: Ein häufiger Grund, warum Menschen in der Grundsicherung feststecken, sind psychische Erkrankungen.

Empfänger gesamt
5,5 Mio.
Grundsicherungs­empfänger
Handelsblatt 2024
Davon psychisch erkrankt
≥ 1 von 3
mit psychiatrischer Diagnose
Bertelsmann 2025
Arbeitsfähig bei Behandlung
80%
könnten wieder arbeiten
Prof. Jarosch
Netto-Einsparung
~10,6 Mrd. €
nach Therapiekosten
Modellrechnung
Return on Investment
~4–5 ×
pro investiertem Euro
Modellrechnung
Die Rechnung

Von den 5,5 Millionen Menschen in der Grundsicherung hat mindestens ein Drittel eine psychische Erkrankung. 80% davon könnten laut Studien wieder arbeiten — wenn sie behandelt würden. Eine Therapie kostet einmalig rund 3.200 €. Was sie einbringt: Das Bürgergeld entfällt, die Person zahlt wieder Steuern und Sozialabgaben, die Volkswirtschaft gewinnt produktive Arbeitskraft zurück. Unterm Strich kommt für jeden investierten Euro in Therapie bei dieser Gruppe rund das Vier- bis Fünffache zurück — mehr als im Bevölkerungsschnitt, weil hier gleich mehrere Kostenstellen auf einmal wegfallen.

Was es kostet, nichts zu tun
~1,8 Mio. psychisch erkrankte Grundsicherungs-Empfänger
× ~8.500 € Grundsicherungs-Kosten/Jahr (Bund-Anteil)
= ~15 Mrd. € / Jahr für Menschen,
die bei Behandlung arbeiten könnten
Was Behandlung kosten würde
~1,4 Mio. behandelbare Personen (80%)
× 3.200 € Therapiekosten
= ~4,5 Mrd. € Einmalinvestition
→ Einsparung Grundsicherung + Produktivgewinn (vielfach höher)
Rechenhinweis: Grobe Modellschätzung zur Illustration der Größenordnung. Tatsächliche Kosten und Potenziale hängen von Diagnosetiefe, Therapieerfolg und Arbeitsmarktbedingungen ab. Alle Zahlen konservativ angesetzt.